Rituale

Sie kommen ganz von selbst angeflogen: Sorgen um die Zukunft, die Familie, den Job, Unerledigtes, Geld, Politik… Am liebsten umkreisen uns solche Gedanken, wenn wir sie am wenigsten brauchen können: beim Einschlafen. Sie halten uns davon ab, zur Ruhe zu kommen und den Tag zu beschließen. Zum Glück sind die Probleme aber nachts nicht tatsächlich größer als am Tag, sondern sie erscheinen uns nur so. Denn im Dunkeln produzieren wir weniger vom Glückshormon Serotonin und sind dadurch automatisch melancholischer.

 

Ein Ritual vor dem Schlafengehen kann uns dabei helfen, Körper und Geist auf die Nachtruhe einzustimmen. Viele Menschen machen das ganz unbewusst. Die Abfolge der kleinen Dinge, die wir jeden Abend tun, bevor wir ins Bett gehen – diese einfachen Gewohnheiten wie Schlafanzug anziehen, Zähneputzen, Fenster öffnen und durchlüften – erkennt unser Körper und unser Geist als Programm für den Ruhemodus.

 

Diesen Effekt können wir uns zunutze machen und ihn verstärken. Denn oft genug kommt es vor, dass die Ruhe gestört ist und wir durch irgendetwas am Schlafen gehindert werden. Meistens sind es die kreisenden Gedanken, die uns nicht loslassen und nur schwer einschlafen lassen.

 

Ein bewusstes Schlafritual ist wie das Sahnehäubchen für den Tag. Wir beschließen ihn mit einem kleinen sinnlichen Fest. Das macht Spaß – und ganz nebenbei lässt es uns auch besser schlafen. Denn durch das Herbeiführen und das bewusste Wahrnehmen positiver Sinneseindrücke – indem wir den Moment genießen – beruhigt sich unser ganzer Organismus. Und damit beruhigen sich auch die Gedanken.

 

Wer genießt, kann sich entspannen. Und wer entspannt ist, kann gut schlafen.

 

Wenn Du nach kreativen Möglichkeiten suchst, aus dem Gedankenkarussell auszusteigen, kannst Du Dich hier inspirieren lassen.

Tschüss Gedankenkarussell!

FANTASIE REISEN

Eine kreative Methode, den kreisenden Negativ-Gedanken ein Schnippchen zu schlagen, sind Visualisierungen oder Fantasiereisen. Mit Hilfe unserer Vorstellungskraft setzen wir dem unkontrollierten Kopfkino starke positive Bilder entgegen, die uns gut tun und uns entspannen lassen. Solche Imaginationen oder "Kraftbilder" kennen wir aus der Meditation oder dem Autogenen Training, und sie werden vielseitig auch im medizinischen Sektor erfolgreich eingesetzt.

 

Bei den Visualisierungen kommt es darauf an, sich alles ganz genau vor dem inneren Auge auszumalen. Je genauer desto besser. Und je mehr Sinne wir mit einbeziehen, desto tiefer können wir in unser Phantasiebild eintauchen. Wie fühlt es sich an, was höre ich, wie schmeckt oder riecht es?

 

Dadurch, dass wir uns auf etwas Positives konzentrieren und versuchen, es uns mit allen Sinnen auszumalen, bleibt für die störenden Gedanken kein Platz, sich festzusetzen. Natürlich ist das manchmal leichter gesagt als getan und es bedarf einer gewissen Übung. Mit der Zeit aber gelingt es immer leichter, sich in den inneren Garten, das Iglu, oder die geheime, blaue Bucht zu versetzen.

 

Für solche Reisen in Gedanken eignen sich besonders gut Handlungen, die uns sehr vertraut sind und die wir auch tagsüber leidenschaftlich gerne tun. Ein Freund von mir stellt sich z.B. immer vor, wie er auf dem Gardasee zum Kiten geht. Der morgenfrische Wind über dem Wasser, der weite Himmel... und dann schiebt sich die Sonne über die Berge und taucht alles in ein glitzerndes Licht.

 

Ich selbst stelle mir gerne ein Kochrezept vor und male mir die Farben, Gerüche und Geschmäcker ganz genau aus. Dann ziehe ich mit meiner Einkaufsliste in Gedanken los, um die Zutaten einzukaufen – in meinem Lieblingsladen, wo ich genau weiß, wo ich alles finde. Doch bereits beim Betreten des Ladens bin ich meist schon eingeschlafen.

 

Hast Du ein Lieblingsbild, eine bestimmte Phantasiereise zum Einschlafen?

Anregungen und Inspiration gerne an: zzz(at)sleep-project.de

Vielen Dank!

 

STIFT UND PAPIER

– Diese einfachen Dinge neben Deinem Bett oder auf Deinem Nachttisch können Wunder wirken! Du hast damit verschiedene Möglichkeiten, um dem Gedankenkarussell schon im Voraus zu begegnen und dann besser in den Schlaf zu finden...

 

Gedanken aufschreiben

Schon ein Weilchen vor dem Schlafengehen kannst Du die Dinge aufschreiben, die Dich beschäftigen und das Potential haben, Dir den Schlaf zu rauben. Dinge, die noch zu tun sind, die Du nicht vergessen darfst. Unangenehme, nervige Dinge, die einfach aus dem Kopf raus sollen, weil sie im Heft viel besser aufgehoben sind. Dabei geht es nicht darum, stilvollendete Sätze zu formulieren. Es geht nur darum, die Gedanken rauszulassen. Einfach aufschreiben und ablegen. Um alles weitere kannst Du Dich morgen kümmern.

 

Schöne Momente sammeln

Nachdem Du alle störenden Gedanken aufgeschrieben hast – Fortgeschrittene können diesen Punkt bald überspringen – kannst Du Dich nun den Schönen Dingen zuwenden. Mit Ihnen lässt es sich viel besser den Tag beenden. Also los: was war heute ein schöner Moment? Das muss nichts Großes sein. Es kann eine Begegnung gewesen sein, ein Moment in der Sonne, eine gute Nachricht, ein fast vergessenes Lieblingslied im Radio, ein schöner Duft, der vorbeigeweht ist...

 

Sich selber loben

– Ja, richtig! Klingt wahrscheinlich erstmal seltsam, ist aber ziemlich gut. Die meisten Menschen neigen nämlich dazu, sich eher zu unterschätzen und sich immer vorzuhalten, was sie noch hätten besser machen können. Wenn Dir das bekannt vorkommt, versuche doch einmal, den Spieß umzudrehen: Was hast Du heute geschafft?! Was waren Deine großen und kleinen Erfolge? Fange mit den ganz kleinen an und ende mit den großen. – Du wirst überrascht sein, wie viele das sind!

 

Schlummerbilder malen

Wer weniger in Worten und viel mehr in Bildern denkt, der kann sein Notizbuch auch mit Zeichnungen oder gemalten Bildern füllen. Aber Vorsicht: Den Anspruch haben wir schon längst ins Bett geschickt! Jetzt geht es darum, die Bilder aus dem Stift, dem Pinsel, der Feder... wie sie kommen, einfach fließen zu lassen.

 

Dämmerschlaf Gedankenblitz

Wenn ich mein "Gute Nacht Buch" umdrehe, steht da eine andere Überschrift. Denn mir passiert es häufig, dass gerade beim Einschlafen oder Aufwachen – in diesem magischen Bewusstseins-Zwischen-Zustand – die scheinbar besten Ideen kommen. Manchmal sind es ganz viele und die Befürchtung, dass ich sie bestimmt vergessen werde gepaart mit der Tatsache, dass ich leider zu faul bin aufzustehen, hat mich schon oft am Einschlafen gehindert. Jetzt schnappe ich mir Stift und Papier und der Gedanke ist gerettet!

 

Der Dämmerschlaf ist ein spannendes Phänomen und es geht vielen Leuten so, dass genau in diesem Moment des Abtauchens oder Auftauchens die Geistesblitze kommen. Warum das so ist, was da im Gehirn passiert und wie man ähnliche Zustände des Gehirns bewusst herbei führen kann, werde ich bei nächster Gelegenheit im SLEEP-MAG beschreiben.